Mensch! Maria!

Mysterienspiel wird im Kevelaerer Jubiläumsjahr welturaufgeführt

Welturaufführung

Die größte Geschichte der Menschheit auf dem Kapellenplatz

Seit etwas über einem Jahr laufen die Überlegungen und Planungen zu einem besonderen Highlight innerhalb der Festwoche „375 Jahre Kevelaer-Wallfahrt 1642-2017“: Ein Mysterienspiel entsteht zum Wallfahrtsjubiläum. Die Idee wurde von Basilikaorganist Elmar Lehnen und dem Theologen Dr. Bastian Rütten entwickelt. Die Tradition des Mysterienspieles kennt man seit dem Altertum. Es handelt sich dabei um eine dramaturgisch-musikalische Darstellung von Glaubensinhalten. Das klingt den „Machern“ aber zu antiquiert. Bei „Mensch! Maria! – Ein Mysterienspiel zu einem ganz normal-besonderen Menschen“, so der Titel des Spiels, soll es darum gehen, die Geschichte Gottes mit Maria ins Heute zu holen.

So erzählt dieses Mysterienspiel in verschiedenen Akten aus dem Leben Mariens. „Ganz bewusst haben wir den Untertitel gewählt“, so Elmar Lehnen. Gerade das mache die Person Maria so besonders, so ansprechend, so wertvoll. So spielen etwa auch ihre Lebensfragen in dem fast zweistündigen Stück eine zentrale Rolle. Basilikaorganist Elmar Lehnen, der die Musik komponiert, vertonte dazu eine Arie mit dem Titel „Was sind die wichtigen Fragen?“. Dieses musikalische Thema taucht innerhalb des Mysterienspieles immer wieder auf.

Der gesamte Kapellenplatz wird bei den Aufführungen von „Mensch! Maria!“ zu einer Bühne. Der Zuschauer wird von der ersten Minute an auf eine Reise durch die Lebensstationen Mariens mitgenommen. Von der Geburt Mariens, der Verkündigung durch den Engel Gabriel, über den Besuch bei Elisabeth. Auch der pubertierende Jesus stellt seine Mutter auf die Probe. Ein Sohn der –auch wenn er Gotteskind ist- ganz anders denkt und handelt, als seine Mutter sich das wünschte. Weitere Stationen sind die Wallfahrt nach Jerusalem und die Hochzeit zu Kana, aber auch der Kreuzweg und Tod ihres Sohnes Jesus.

© Fotos: Bischöfliche Pressestelle Münster; Fotos: Gottfried Evers

Während des gesamten Stückes wechseln sich unterschiedlichste stilistische Formen ab. Das ganze Mysterienspiel wird von Anfang bis Ende musikalisch untermalt. Elmar Lehnen komponiert dazu seit Monaten eine Musik, die eindrucksvoll auf die jeweiligen Szenen eingeht und die jeweiligen Stimmungen aufnimmt, verstärkt und ausdrückt. Neben viele Arien wird es auch Tänze und große Massenszenen mit zahlreichen Mitwirkenden und Statisten aus der Kevelaerer Bürgerschaft geben. So etwa bei der Wallfahrt nach Jerusalem.

Die Person der Gottesmutter Maria ist natürlich auf ganz besondere Weise mit dem Ort Kevelaer verbunden. „Trotzdem erkennt man auch hier die kirchliche Umbruchssituation“, so der Theologe Bastian Rütten. Mit „Mensch Maria“ soll ein Versuch gemacht werden, wie die kirchliche Verkündigung der Frohen Botschaft auf neue und andere Weise geschehen kann. Die Geschichte ist die größte Geschichte der Menschheit. Die Musik erinnert (ganz bewusst) manchmal an Filmmusik.

Bis die Uraufführung über die Bühne gehen wird, gibt es für die Kevelaerer Kreativen noch viel zu tun. Textpassagen müssen abgestimmt werden, Partituren ausgeschrieben und gedruckt werden, Drehbücher werden überarbeitet und Szenen werden einstudiert. Auch die technische Umsetzung der Beschallung und Bestuhlung des Kapellenplatzes beschäftigt ein ganzes Team. Erste musikalische Proben haben bereits stattgefunden und ließen erahnen, welch ein besonderes Ereignis im nächsten Jahr in Kevelaer stattfinden wird.

Presse / Bilder

Pressestelle Bistum Münster:

Gelungene Uraufführung des Marien-Festspiels in Kevelaer
Stehende Ovationen der 1250 Zuschauer auf dem Kapellenplatz

Kevelaer (pbm/cb). Als nach mehr als drei Stunden der letzte Akkord verklungen ist, hält es die Zuschauer auf den Tribünen nicht mehr auf ihren Plätzen. Mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufen feiern sie die Welturaufführung des Mysterienspiels „Mensch! Maria!“ auf dem Kevelaerer Kapellenplatz im Schatten der Basilika. Immer wieder brandet Applaus auf, als sich Komponist und Dirigent Elmar Lehnen, Librettist Dr. Bastian Rütten und das 250-köpfige Ensemble verbeugen. Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann strahlt. „Ich bin tief beeindruckt, das war eine ganz große Leistung aller Beteiligten und ein großes geistliches Ereignis zum Ende der Festwoche“, sagt er.

Mit „Mensch! Maria!“ ist es Lehnen und Rütten gelungen, ein beeindruckendes Bild von Maria zu zeichnen. Das funktioniert wegen der klaren Sprache, die Rütten für seine Texte verwendet hat und die von Sprecher Dirk Tecklenborg eindrücklich vorgetragen werden. Das funktioniert wegen der Musik, die sich keiner Stilrichtung verschreiben mag und mit leisen, klassischen Melodien ebenso aufwartet wie mit gewaltigen Stücken, die direkt aus einem Monumentalfilm wie Ben Hur stammen könnten. Das funktioniert, weil die Mezzosopranistin Annette Gutjahr der von ihr dargestellten Maria so viel Leben einhaucht, dass die Zuschauer sich mit ihr freuen, mit ihr zweifeln und mit ihr leiden können. Und das funktioniert, weil sich das gesamte Ensemble unter der Regie von Peter van Aar und Dorette Ploegmakers zu einer Einheit zusammengefügt hat. Die Solisten, das Rheinische Oratorienorchester, der Theaterchor Niederrhein aus Kevelaer, der Chor Kalobrhi aus Nettetal und nicht zuletzt die Laiendarsteller aus der Umgebung reißen die 1250 Zuschauer – mehr hätte der Kappellenplatz nicht gefasst ­– durch ihre Spielfreude mit.

Das Stück erzählt das Leben der Gottesmutter in 13 Akten, wobei der Fokus auf die menschliche Seite Mariens gerichtet ist. Das zeigt auch der Untertitel: „Ein Mysterienspiel zu einem ganz normal-besonderen Menschen“. Maria wird als junge Frau dargestellt, die eben jene Fragen stellt, die alle Menschen beschäftigen. Die ihr Glück kaum fassen kann, als sie ein Kind erwartet. Die aber schon kurz nach der Geburt die Angst um Jesus erfährt, als Herodes ihm nach dem Leben trachtet, die zum Flüchtling wird und in Ägypten Unterschlupf findet. Sie wird dargestellt als eine Mutter, die Meinungsverschiedenheiten mit ihrem Sohn austrägt. Das gipfelt in der Hochzeit zu Kana, bei der sie Jesus – mit berührendem Bass gesungen von Alan Parkes – zu seinem ersten öffentlichen Auftritt drängt. Mit musikalischen Anklängen an das gesungene Vaterunser überzeugt sie ihn schließlich. Unter den zuvor erstarrten Hochzeitsgäste bricht durch das erste Wunder Jesu die pure Lebensfreude aus.

Immer wieder gibt es Szenenapplaus vom Publikum. Insbesondere die Massenszenen beeindrucken durch ihre atmosphärische Dichte. Ein besonderer Moment: Nach dem Tod Jesu singen Gutjahr, Parkes, Sopranistin Wiltrud de Vries und Tenor Bernhard Scheffel das „Stabat Mater“ („Es stand die Mutter“) ohne Orchesterbegleitung im Quartett. Wie schon als Solisten und in den Duetten beweisen die Sänger, dass mit ihrer Verpflichtung ein wahrer Glücksgriff für die Inszenierung gelungen ist.

Zur Begrüßung hatte Weihbischof Wilfried Theising, Schirmherr des Marien-Festspiels und seit seinem Weggang vom Niederrhein Offizial in Vechta, gesagt: „Maria ist eine Frau, die vor langer Zeit gelebt hat, aber auch heute noch mit uns lebt.“ Diesen Bogen spannt Rütten an vielen Stellen. So beim Zweifeler (Scheffel), der provokant fragt: „Wo ist Gott im Leid? Wo war er in Auschwitz und Birkenau? Wo ist er in Aleppo? Wo ist er bei denen, die am Leben zugrunde gehen?“ Er ist, lautet die Antwort des Sprechers, am Kreuz. „Sein Kreuz hat auch für Maria das Leid nicht wegradiert.“ Doch nach dem Schmerz wird Maria zur Trösterin, als die sie auch in Kevelaer verehrt wird. Immer mehr moderne Kreuzträger kommen auf sie zu, sie spricht sie alle an, streicht beinahe liebevoll über die Kreuze, spricht den Leidenden Mut zu. Dem Süchtigen, dem gescheiterten Paar, dem Flüchtling. Der trägt übrigens das Kevelaerer Lampedusa-Kreuz. Dieses wurde aus Planken von Booten gezimmert, mit denen Flüchtlinge aus Afrika auf der italienischen Insel gelandet waren und das im vergangenen Jahr die Wallfahrtssaison in Kevelaer begleitet hatte.

Am Ende steht die Himmelfahrt von Maria. „Es bleibt ihr Zeugnis, es bleibt ihr Rat, es bleibt ihre Nähe, es bleibt ihr mütterliches Ohr für unsere Fragen. Sie bleibt den Menschen Trösterin“, erklärt Sprecher Tecklenborg. „Jede Kerze, die brennt, sagt den Finsternissen der Welt und den Finsternissen der Zeit das Ende an“, verweist er direkt auf die in Kevelaer brennenden Opferkerzen, während andächtig zahlreiche Kerzenträger an der Bühne vorbeischreiten.  „Marias Leben ist uns so besonders, weil es so alltäglich war, und dieses Leben schreibt Gott weiter“, heißt es zum Abschluss.


Devries – Wiltrud de Vries (Sopran) führte in einer beeindruckenden Massenszene Kerzenträger auf den Kapellenplatz.
(Foto: Bischöfliche Pressestelle / Gerhard Seybert)


Gutjahr – Die Mezzosopranistin Annette Gutjahr überzeugte das Publikum mit ihrer Darstellung der Maria.
(Foto: Bischöfliche Pressestelle / Gerhard Seybert)


Lehnen – Basilika-Organist Elmar Lehnen hat die Musik für das Stück komponiert, er dirigierte am Abend auch das Orchester.
(Foto: Bischöfliche Pressestelle / Gerhard Seybert)


Marienspiel – 1250 Gäste sahen sich die Welturaufführung des Marien-Festspiels auf dem Kevelaerer Kapellenplatz an.
(Foto: Bischöfliche Pressestelle / Gerhard Seybert)

 

 

 

 

Das sagen die Verantwortlichen zu „Mensch! Maria!“

Ein multiprofessionelles und hochengagiertes Team bereitet dieses Projekt vor, das  volle Fahrt aufgenommen hat.

(Elmar Lehnen)

Das wird etwas ganz Besonderes.

(Bastian Rütten)

Die existenziellen Fragen und Sorgen der Menschen waren auch die Fragen und Sorgen Mariens. Das macht es spannend und überraschend aktuell.

(Domkapitular Rolf Lohmann)

Die Geschichte Gottes mit Maria ist zwar uralt, aber auch urjung. Sie ist eine Geschichte von Suchen und Fragen, Hoffen und Bangen, Tasten und Finden.

(Bastian Rütten)

Im Leben Marias riecht es oftmals mehr nach Erde, als nach Himmel. Maria war ein normaler Mensch von nebenan.

(Bastian Rütten)

Diese Aufführungen sollen keine Einmaligkeit behalten, denn das Mysterienspiel soll im Abstand von einigen Jahren regelmäßig aufgeführt werden. Dazu soll und muss das Drehbuch fortgeschrieben werden. Es ist – genau wie die Geschichte Gottes mit den Menschen – nie fertig.

(Domkapitular Rolf Lohmann)

Mensch! MARIA!

Making of Mensch! MARIA!

MENSCH! MARIA! / Stabat mater

Autoren und Ausführende

© Fotos: Bischöfliche Pressestelle Münster; Fotos: Gottfried Evers

Text: Sebastian Rütten

Musik: Elmar Lehnen

Solisten: Annette Gutjahr (Mezzosopran – Maria); Wiltrud de Vries (Sopran); Bernhard Scheffel (Tenor); Alan Parkes (Bass)

Chor KALOBRHI, Nettetal; Theaterchor Niederrhein

Rheinisches Oratorienorchester

Sprecher: Dirk Tecklenborg

Musikalische Gesamtleitung: Elmar Lehnen

Regie und Produktionsleitung: Peter van Aar

© Fotos: Bischöfliche Pressestelle Münster; Fotos: Gottfried Evers

Kontakt

Wallfahrtsleitung Kevelaer
Priesterhaus
Kapellenplatz 35 | 47623 Kevelaer
Tel.: 02832-93380
E-Mail: info@wallfahrt-kevelaer.de

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